Bewertung und Kategorisierung von Social-Media-Plattformen anhand ihrer Suchtrisiken

veröffentlicht am 13.04.2026

Das Forschungsprojekt ADDICT der IHS Junior Research Group „Digitalisierung und soziale Transformation“ ist der Frage nachgegangen, wie man Addictive Design Elemente auf Social Media Plattformen systematisch identifizieren und im Hinblick auf Suchtrisiken kategorisieren und bewerten kann.

„Nur noch ein Video“ – und plötzlich ist eine Stunde vergangen. Viele kennen dieses Gefühl. Man scrollt durch TikTok oder Instagram und verliert dabei jedes Zeitgefühl. Dieses Verhalten ist kein Zufall, sondern häufig das Ergebnis bewusster Designentscheidungen. Funktionen wie endloses Scrollen, automatische Wiedergabe von Inhalten (bspw. Videos) oder Push-Benachrichtigungen erzeugen eine Art Dauerreiz, der es schwer macht, aufzuhören.

Das Interesse der Plattform-Betreiber ist ein rein wirschaftliches: je länger Nutzer:innen online bleiben, desto mehr Daten können gesammelt und desto gezielter kann Werbung platziert werden.

Dennoch gehen die Auswirkungen dieser intensiven Nutzung über den reinen Zeitverlust hinaus. Langfristig können sich diese Effekte spürbar auf Gesundheit, Produktivität und Lebensqualität auswirken. Vor allem bei Jugendlichen zeigen sich Zusammenhänge mit Konzentrationsproblemen, gestörtem Schlaf und erhöhtem Stresslevel. 

Forschungsprojekt ADDICT

Das Forschungsprojekt ADDICT der IHS Junior Research Group „Digitalisierung und soziale Transformation“ unter der Leitung von Laura Wiesböck untersucht, wie sich Social-Media-Plattformen hinsichtlich ihres Suchtpotenzials bewerten lassen. Ziel ist die Analyse suchtfördernder Designpraktiken auf bei Jugendlichen besonders populären Plattformen sowie die Entwicklung einer Taxonomie, die Behörden als evidenzbasierte Grundlage für regulatorische Maßnahmen dienen kann.

Alarmierende Ergebnisse

Im Rahmen dieses Forschungsprojekts wurde erstmals mit einem wissenschaftlich fundierten Ampelsystem das Suchtpotenzial von Social Media-Apps untersucht. Die durchgeführten Fallstudien zu den Social-Media-Plattformen TikTok und Instagram zeigen, dass die meisten Funktionen beider Plattformen als hochriskant zu beurteilen sind, was deren Fokus auf eine dauerhafte und zwanghafte Nutzer:innenbindung verdeutlicht.  Bei insgesamt 55 Kriterien zu Designelementen ergab die Analyse von TikTok 44 Elemente mit hohem Risiko. Bei Instagram wurden 40 hochriskante Elemente identifiziert.

Plattformen in die Verantwortung nehmen

Vor diesem Hintergrund plädieren die Autor:innen der Studie für stärkere regulatorische Maßnahmen. Plattformen sollten mehr Verantwortung für die Gestaltung ihrer Angebote übernehmen, anstatt die Verantwortung ausschlißelich auf die Nutzer:innen abzuwälzen. Gleichzeitig bleibt ein bewusster und reflektierter Umgang mit Social Media ein zentraler Faktor, um negative Effekte zu begrenzen.

Link zur Studie ADDICT

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