Zur Lage der Verbraucher/innen in Deutschland

veröffentlicht am 25.05.2021

Umfassendes Gutachten des SVRV mit zahlreichen Einsichten in die Lebenswelten und Sichtweisen der Verbraucher/innen und 40 Handlungsempfehlungen

Cover Gutachten, © Sachverständigenrat
Der deutsche Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (SVRV) wurde 2014 vom deutschen Justiz- und Verbraucherschutzministerium eingerichtet und berät die deutsche Bundesregierung durch Verbraucherforschung und daraus abgeleitete Schlussfolgerungen bei der Gestaltung der Verbraucherpolitik. Alle Gutachten werden auf seiner Website veröffentlicht (www.svr-verbraucherfragen.de).

Am 20. April 2021 hat der SVRV ein umfassendes Gutachten zur Lage der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland veröffentlicht. Letzte Woche wurde dieses bei einer online-Veranstaltung präsentiert.

Das Gutachten ist auf gut 400 Seiten zum einen ein Fundus an empirischer Evidenz davon, was Verbraucher/innen zu verschiedenen Lebenslagen beschäftigt, zum anderen eine spannende Analyse dieser Daten. Sie mündet in 40 Handlungsempfehlungen und gibt damit wertvolle Orientierung für eine zukunftsfähige Verbraucherpolitik.

Zunächst werden drei Themen behandelt, denen gemeinsam ist, dass sie mit finanziellen Ausgaben verbunden sind, die einen wesentlichen Teil des Einkommens der Verbraucher/innen ausmachen: Wohnen (35%), Mobilität und Ernährung (jeweils 14%).

Anschließend werden drei Querschnittsthemen analysiert, die heute in aller Munde sind: Digitalisierung, nachhaltiger Konsum und Verbraucherinformation.

Methodisch baut das Gutachten sowohl auf quantitativen Umfragen als auch qualitativen Instrumenten auf. Neben Experteninterviews haben zu jedem Thema jeweils sechs sogenannte Fokusgruppen, die die heutige Gesellschaft möglichst breit abbilden (zB nach Alter, Bildung, Stadt/Land, Einkommen, Migration), miteinander diskutiert.

Blitzlichter

Ein paar Blitzlichter wollen wir Ihnen hier vorstellen und Sie motivieren, zur einen oder anderen Frage selbst im Gutachten nachzulesen. Auch wenn dieses sehr umfassend ist, findet man sich mit einem seitlich angebrachten Inhaltsverzeichnis leicht und schnell zurecht! So können Sie etwa konkrete Antworten der Verbraucher/innen auf ihnen gestellte Fragen nachlesen, was ihnen beim Wohnen oder in der Ernährung oder beim nachhaltigen Konsum wichtig ist.

  • Zum Thema Wohnen wird es Sie vielleicht überraschen, dass Ruhe für Verbraucher/innen am allerwichtigsten ist. Erwartbarer ist der zweitwichtigste Faktor, nämlich die Bezahlbarkeit, wobei diese für Mieter/innen ein größeres Thema ist als für Eigentümer/innen. Angesichts der existentiellen Dimension dieses Themas sieht der SVRV zur Wohnkostenbelastung einen Bedarf an regelmäßiger Beobachtung und kündigt dazu eine separate Publikation an.
  • Mobilität bedeutet im Gutachten Alltagsmobilität. Das Thema Reisen wird daher nicht beleuchtet. Im Fokus stehen Versorgungslücken vor allem im ländlichen Raum, der Bedarf an Ausbau des öffentlichen Verkehrs, der Elektromobilität und des Fahrradverkehrs. Zukunftsweisend ist wohl auch die überwiegende Einschätzung der Verbraucher/innen, dass Mobilität eine staatliche Aufgabe ist.
  • Zur Ernährung wünschen sich Verbraucher/innen mehr staatliche Kontrolle, transparente und einfach erfassbare Kennzeichnung insb. hinsichtlich der Regionalität der Herkunft. Der SVRV plädiert für einen gesetzlichen Rahmen für Gütesiegel, auch in Österreich seit vielen Jahren ein heißes Thema. Beim Fleischkonsum ist das Bild übrigens sehr uneinheitlich und zeigt, dass viele nicht auf Fleisch verzichten wollen. Wohl ein Ergebnis, das auch für Österreich erwartbar wäre.
  • Zur Digitalisierung stellt das Gutachten in weiten Bereichen fest, dass es an Kompetenz, aber auch an Informationsbedürfnis fehlt. Neben Desinteresse etwa für Marktabdeckung oder das Zustandekommen von Rankings (Bewertungen) wird aber auch ein klarer Zusammenhang mit dem Aufwand für die Informationsbeschaffung hergestellt, der auch zu mangelndem Interesse beiträgt. Dies gilt insb auch für Vermittlungsplattformen. Weiters sieht der SVRV Bedarf an Sicherheit, gerade bei zunehmend vernetzten Produkten (IoT). Hier plädiert der SVRV für die Einführung eines behördlichen IT Sicherheitskennzeichens und mehr Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsbehörden, Politik und Wissenschaft. Schließlich setzt der SVRV in diesem Bereich stark auf Bewusstseinsbildung und Verbraucherinformation.
  • Die drei maßgeblichen Dimensionen beim nachhaltigen Konsum sieht der SVRV im Bewusstsein, der Kompetenz und der Gelegenheit, nachhaltige Produkte und Leistungen zu erwerben. Interessant ist, dass das Bewusstsein für Umweltfaktoren und soziale Aspekte wie zB menschenwürdige Produktionsbedingungen stärker ausgeprägt ist als für kollaborativen Konsum, also etwa Carsharing oder Tauschen von Produkten. Der SVRV hält das stärkere Zusammendenken verschiedener Disziplinen (zB Umwelt- und Verbraucherpolitik) für wichtig und spricht sich für regelmäßiges Monitoren des nachhaltigen Konsums aus.
  • Und last but not least diskutiert das Gutachten den häufigen Zugang der Verbraucherpolitik, auf alle Problemstellungen mit einem Mehr an Informationen zu reagieren. Der SVRV sieht die Notwendigkeit gezielter Information, die vor allem so aufbereitet sein muss, dass diese leicht auffindbar und verständlich ist. Dazu gehören auch vermehrtes Einsetzen von graphischen und anderen nicht-textlichen Elementen.

Eine spannende Lektüre, auf die sich immer wieder lohnen wird zurückzugreifen, wenn man über Verbesserungen für Verbraucher/innen reflektiert und nach zukunftsfähigen Lösungen sucht!

Auch wenn die Ergebnisse vielleicht nicht in allem mit Österreich vergleichbar sind, geht die Bedeutung des Gutachtens doch weit über Deutschland hinaus.

Das Gutachten finden Sie hier: 

» SVRV stellt Gutachten zur Lage der Verbraucherinnen und Verbraucher im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz des Deutschen Bundestages vor - SVRV | Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (svr-verbraucherfragen.de)

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