Schuldenreport 2021

veröffentlicht am 22.06.2021

Die ASB Schuldenberatung GmbH ist die Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen der Bundesländer. Sie erstellt jährlich einen Überblick über Zahlen und Daten des vergangenen Jahres zur Überschuldung in Österreich.  Für das Jahr 2020 zeigt der Bericht bereits erste Tendenzen über die wirtschaftlichen Spätfolgen der Coronakrise.

Allgemeine Zahlen und Fakten aus dem Schuldenreport

Cover Schuldenreport 2021 der ASB Schuldenberatungen GmbH, © ASB Schuldnerberatungen GmbH, Schuldenreport 2021
Im Jahr 2020 haben die staatlich anerkannten Schuldenberatungen 55.000 Menschen unterstützt.  Das sind um 9,6 % weniger als im Vorjahr. Der Grund dafür sieht die ASB Schuldenberatungen in coronabedingten Einschränkungen und Auswirkungen. Trotzdem ist im Zehn-Jahres-Vergleich die Zahl der jährlich unterstützten Personen um 4,3 % gestiegen.

Der Report zeigt deutlich die prekäre finanzielle Situation der Ratsuchenden: beinahe jede dritte Person, die eine Schuldenberatung aufsucht, hat monatlich höchstens 1.000 Euro zur Verfügung.

Ebenso alarmierend: ein Viertel der KlientInnen ist 30 Jahre oder jünger. Diese Gruppe ist besonders oft von Arbeitslosigkeit betroffen. Im Jahr 2020 waren 43 Prozent arbeitslos.  Die Personengruppe der jüngeren KlientInnen ist auch schlechter ausgebildet als das durchschnittliche Klientel. 

42 Prozent der KlientInnen haben als höchste abgeschlossene Ausbildung den Pflichtschulabschluss.

Arbeitslosigkeit bzw. Einkommensverschlechterung ist mit knapp 33 % der mit Abstand häufigste Überschuldungsgrund. 38 Prozent der KlientInnen sind arbeitslos, 27 % haben nicht mehr Einkommen als das Existenzminimum zur Verfügung.

Im Jahr 2020 wurden in Österreich insgesamt 7.296 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet.  Das stellt einen Rückgang zum Vorjahr um rund 23 % dar. Die ASB Schuldenberatungen GmbH führt das zu einem großen Teil auf die Corona-Krise und den Lockdown ab Mitte März 2020 zurück: Es gab einen weitgehenden Stillstand der Justiz und auch die Schuldenberatungen waren in ihren Möglichkeiten, Schuldenregulierungen voranzutreiben, eingeschränkt. Weiteren Einfluss auf die niedrigeren Zahlen der Insolvenzeröffnungen hatten die Maßnahmen der Regierung, vor allem die gesetzlichen Stundungen.

Auswirkungen der Corona-Krise

Die Corona-Krise hat Menschen mit Schuldenproblemen in besondere Bedrängnis gebracht. Auch wenn die Maßnahmen der Politik die unmittelbaren Folgen für finanziell vulnerable Gruppen fürs Erste abfedern konnten, rechnen die Schuldenberatungen mit dem Auslaufen von Stundungen, Förderungen und Kurzarbeitsmodellen zeitversetzt mit einem massiven Anstieg an Ratsuchenden sowie in weiterer Folge an Privatkonkursen.

Aus der Sicht der Schuldenberatungen zeigen sich die Auswirkungen der Coronakrise auch in einer Verschiebung bei den Ratsuchenden: durch Kurzarbeit und Jobverlust sind nun zunehmend auch Menschen aus dem klassischen Mittelstand von der Überschuldung betroffen und stehen unter Umständen erstmals vor dem Problem, ihre Leasingrate und die Miete nicht mehr bezahlen zu können.

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Was es zum Leben braucht – die asb aktualisiert ihre Referenzbudgets

Was es zum Leben braucht, ist nicht nur eine persönliche, sondern auch eine politische Frage. Die Armutsgefährdungsschwelle in Österreich liegt bei 1.328,- Euro für einen Ein-Personen Haushalt* und bei 1.726,- Euro für eine erwachsene Person plus ein Kind*. Über eine Million Menschen in Österreich (rund 13 % der Gesamtbevölkerung) leben in einem Haushalt mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle.

Um aufzuzeigen, wie viel Geld ein Haushalt bei bescheidener Lebensführung benötigt, um nicht in Armut und sozialer Ausgrenzung leben zu müssen, hat die ASB Schuldenberatung GmbH im Rahmen eines europäischen Kooperationsprojekts sogenannte „Referenzbudgets" entwickelt.

Referenzbudgets stellen die monatlichen Ausgaben für 7 verschiedene Haushaltstypen dar. Sie zeigen auf, welches monatliche Einkommen es braucht, um ein Leben zu führen, das gesunde Ernährung, angemessenen Wohnraum und ein Mindestmaß an sozialer und kultureller Teilhabe ermöglicht.

Referenzbudgets dienen zum einen als Orientierungshilfe in der Beratung, liefern aber zum anderen auch wichtige Vergleichswerte für die Überprüfung sozialpolitischer Maßnahmen. Die Anhebung des Existenzminimums, das weit unter den Referenzbudgets liegt, ist seit langem eine rechtspolitische Forderung der Schuldenberatungen.

Referenzbudgets werden jährlich aktualisiert und weiterentwickelt. Im Rahmen dieser Aktualisierungen hat die asb 2020 erstmals berechnet, welche monatlichen Kosten für ein Kind in Österreich entstehen. Die Berechnungen der ASB Schuldenberatungen zeigen, dass die Grundkosten für ein Kind kaum Einsparpotenzial bieten und dass auch hier staatliche Beihilfen wie die Familienbeihilfe diese Kosten kaum abdecken.

Lesen Sie mehr zu den Referenzbudgets:


* Quelle: Statistik Austria, EU-SILC 2020, Tabelle Armutsgefährdungsschwelle 2020 bei 60% des Median für unterschiedliche Haushaltstypen"

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