Gender Data Gap

veröffentlicht am 29.09.2021

Warum genderneutral nicht gleich gendergerecht ist

Welche Frau kennt das nicht? Wenn man eine öffentliche Toilette aufsucht, sei es im Kino oder im Restaurant, dann ist dort meist schon eine lange Schlange und Frau muss sich erst einmal anstellen. Dies ist nur eine von vielen, kleinen Schwierigkeiten des Alltags, mit denen Frauen tagtäglich konfrontiert sind und die sich auf einen Data Gender Gap zurückführen lassen.

Gleichberechtigung Männer und Frauen, © Bild von Alexas Fotos auf Pixabay

Was ist der Data Gender Gap?

Der Data Gender Gap beschreibt die Tatsache, dass in den meisten Studien nur Daten von Männern berücksichtigt werden und dies in der Folge häufig zu einer Benachteiligung von Frauen beiträgt. So werden beispielsweise bei Sicherheitstests für Autos nur männliche Dummies eingesetzt, weibliche Dummies, werden – wenn überhaupt – nur auf dem Beifahrersitz positioniert. Und auch hier sind die Daten nicht präzis: Während männliche Dummies eine Körpergröße von 175 cm haben und 78 kg wiegen, ähneln die Maße eines weiblichen Dummies mit einer Körpergröße von 155 cm und 54 kg Köpergewicht eben nicht der europäischen Durchschnitts-Frau, denn diese ist ca. 163 cm groß und 70 kg schwer.

Die Gefahren des Gender Data Gap

Die mangelnde oder verfälschte Berücksichtigung von Frauen in Studien ist nicht nur benachteiligend, sondern kann für Frau im schlimmsten Fall auch lebensbedrohlich Konsequenz haben. Das obige Beispiel zeigt, dass Frauen bei Verkehrsunfällen nicht adäquat geschützt sind; sie erleiden potentiell schwerere Verletzungen als die männlichen Mitfahrer. weil auch die Fahrgastzellen primär auf Männer ausgerichtet sind. Weitere gefährliche Beispiele für den Data Gender Gap findet man in der medizinischen Diagnostik, bei der Medikamentenentwicklung oder in der Architektur. Zwar weniger gefährlich, aber zumindest ärgerlich ist das auf Männer abgestellte Design verschiedenster Produkte, wie z.B. Smartphones oder Spracherkennungssysteme.

Zu kompliziert, zu unvorhersehbar

Doch warum werden Frauen in so vielen Studien nicht berücksichtigt? Als einer der Gründe hierfür wird die Komplexität des weiblichen Körpers angesehen, dessen Miteinbeziehung in wissenschaftliche Studien für viele Wissenschaftler:innen einfach zu teuer und zu kompliziert sei. Auch die Unvorhersehbarkeit von Aspekten wie Hormonschwankungen spiele eine Rolle und führt möglicherweise dazu, dass sich Wissenschaftler:innen in der Regel nicht erst die Mühe machen, Frauen in ihre Studien miteinzubeziehen.

Umdenken ist vonnöten

Um dem Gender Data Gap entgegenzuwirken, ist es unabdingbar, auch weibliche Daten heranzuziehen. So sollte beispielsweise beim Bauen von Toiletten bedacht werden, dass Frauen (kleidungsbedingt) in der Regel mehr Zeit und auch Haken für die Ablage dieser Kleidung benötigen. Auch die Größe der Toiletten sollte angepasst werden. Aber nicht nur beim Bau von Toiletten ist ein Umdenken gefragt, sondern grundsätzlich bei sämtlichen Anwendungen, bei denen der „gar nicht so kleine Unterschied“ relevant ist.

 

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