Fleischatlas 2021

veröffentlicht am 09.02.2021

Wussten Sie, dass auch Nutztiere einen ökologischen Fußabdruck hinterlassen

Schwein, Nahaufnahme vom Schädel , © www.naturfakta.no
Der übertriebene Fleischkonsum in den wohlhabenden Ländern wird mittlerweile angesichts der unbewältigten Klimakatastrophe immer kritischer gesehen. Denn die industrielle Erzeugung von Fleisch ist ein wesentlicher Umweltfaktor; für die Produktion eines Kilo Rindfleisches sind z.B. 16.000 Liter Wasser nötig, pro Kilo Rindfleisch werden umgerechnet 13,3 Kilo CO2 freigesetzt. 

Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel

Die österreichische Ausgabe des FLEISCHATLAS 2021 ist Ergebnis einer Kooperation der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 und der Tierschutzorganisation Vier Pfoten.

Auf fast 60 Seiten analysieren die Autorinnen und Autoren u.a. unsere Konsumgewohnheiten und die Probleme bei der Produktion; sowohl in Deutschland als auch in Österreich sind ja im Zusammenhang mit Corona-Clustern die katastrophalen Arbeitsbedingungen in Fleischfabriken publik geworden. 

Der Umgang mit Pestiziden und Medikamenten bei der Erzeugung wird ebenso kritisch beleuchtet wie der enorme Wasserverbrauch, die Auswirkungen des Anbaus von Futtermitteln, die gefürchtete Billig-Konkurrenz und die Macht der Marktführenden.   

Erschreckend hoch ist der Anteil der verendeten Tiere, deren Fleisch nicht verzehrt wird. Neben kranken Tieren die vernichtet werden müssen - wir erinnern an den Rinderwahn, die Schweinepest und die Vogelgrippe - werden Tiere auch aus wirtschaftlichen Gründen getötet oder verenden während der Mast.
Dazu kommt, dass nicht alle Teile des Tieres genutzt werden und nur ausgewählte Stücke in den Handel kommen. Diese werden zwar für Tierfutter oder in der Düngemittelproduktion verwendet, gehen aber für den menschlichen Verzehr verloren. Weitere Verluste entstehen durch überschrittene Haltbarkeitsdaten oder aus anderen Gründen weggeworfene Lebensmittel. Dadurch werden enorme Ressourcen verschwendet. 

Weniger Fleisch, mehr Future 

Laut einer repräsentative Umfrage, die von den Herausgebern des Fleischatlas in Auftrag gegeben wurde, lehnen zwei Drittel der jüngeren Generation zwischen 16 und 29 Jahren die heutige Fleischindustrie ab. Im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung sind junge Menschen doppelt so oft Vegetarier/innen oder Veganer/innen.

Die Nachfrage nach Ersatzprodukten steigt, Großkonzerne haben längst erkannt, dass auch hier große Gewinne zu erwarten sind. Wie weit solche Ersatzprodukte unsere Ernährungsweise ändern und ob dadurch auch das Klima nachhaltig geschont wird, werden erst die nächsten Jahre zeigen.

Daten aus Österreich

Der Fleischatlas behandelt auch das Konsumverhalten in Österreich. Zwar ist der Fleischkonsum in den letzten Jahren etwas zurückgegangen, Österreich liegt im europäischen Vergleich dennoch im Spitzenfeld. Eine extensivere Produktion würde die Tierhaltung wesentlich verbessern und die Natur besser schützen. Bei der industriellen Tierhaltung kommt es nicht nur zur Überdüngung der Wiesen und Belastung der Gewässer, die Treibhausgase auch der österreichischen landwirtschaftlichen Emissionen tragen massiv zur Klimakrise bei.

Es geht auch anders

Neben der allgemeinen Tendenz weniger Fleisch zu essen, gibt es auch noch andere Entwicklungen, die zu einem (umwelt-) bewussteren Umgang mit diesem wertvollen Lebensmittel führen. Die „Nose to Tail“-Bewegung engagiert sich dafür, dass nicht nur die Edelteile, sondern die ganzen Tiere verarbeitet werden. Spitzenköche widmen sich der Zubereitung von Innereien und anderer Teile, die von den Konsumentinnen und Konsumenten oft als weniger wertvoll angesehen werden[BMASGK1] .

Die biologische Haltung ist eine weitere notwendige Maßnahme, die den Tieren, dem Klima und letztendlich allen „Fleischessern“ zu Gute kommt.
In der biologischen Tierzucht haben die Tiere artgerechtere Lebensbedingungen: die Ställe sind größer und besser ausgebaut, ein Außenbereich ist zur Verfügung, das Futter ist gentechnikfrei.
Wenn durch Bio-Haltung weniger produziert wird wirkt sich das positiv auf das Klima aus. Die Versorgung ist trotzdem gewährleistet, zumal Österreich derzeit eine Überproduktion aufweist.
Durch die schonendere Aufzucht und Haltung gedeihen die Tiere besser, benötigen keine Medikamente und die Fleischqualität verbessert sich.

Nichtregierungsorganisationen haben viele Verbesserungsvorschläge gemacht. Sie plädieren z.B. für die Wiedereinführung der Flächenbindung. Die Anzahl der Nutztiere wäre dann an eine ausreichend große Fläche gebunden. Weiters ist die Kennzeichnung der Tierhaltung eine häufige Forderung, die sich auch viele Verbraucher/innen wünschen würden.

Wir konnten hier nur einen kurzen Einblick in die Publikation geben, es lohnt jedenfalls die österreichische Ausgabe des FLEISCHATLAS 2021 genau zu studieren.  Zahlreiche Daten und anschauliche Grafiken machen das Thema leichter zugänglich, helfen dabei den eigenen Konsum kritisch zu überdenken und wecken das Interesse für die weiteren Entwicklungen.

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