Fast Fashion (schnelle Mode) und Klimakrise

veröffentlicht am 06.07.2021

Was hat die Umwelt mit Ihrer weggeworfenen Kleidung zu tun? 

mehrere Kleidungsstücke auf Bügeln und Kleiderstange, © Shanna Camilleri on Unsplash
Eine Frühjahrskollektion oder Herbstkollektion gibt es längst nicht mehr, heute wechseln neue Kollektionen im Wochentakt.
Oder gehören Sie vielleicht noch zu der Generation, die sich erinnern kann, dass Kleidung weitergegeben und aufgetragen wurde? Das wäre heute vielfach gar nicht mehr möglich, Kleidung wird häufig so gefertigt, dass sie nur wenige Monate übersteht, also Wegwerfkleidung im wahrsten Sinne des Wortes.  

Günstig aber mit vielen Nebenwirkungen

Günstige Preise und viele Abwechslung hören sich im ersten Moment gut an. Aber erst dadurch wird Kleidung zum Wegwerfprodukt, nach dem Motto – ist eh so billig, das gönne ich mir.

Der Verkauf neuer Kleidung hat sich seit dem Jahr 2000 bis 2016 verdoppelt. Jede Woche bringen die großen Textilunternehmen neue Billigkollektionen heraus.

  • Umweltbelastung

Durch den immer schneller werdenden Zyklus des Kaufens und Wegwerfens trägt Fast Fashion maßgeblich zu Umweltverschmutzung bei. Die Produktion muss für die Hersteller sehr günstig sein, da kann nicht auf Umweltaspekte geachtet werden. Der Verbrauch an kostbaren Ressourcen wie z.B. Wasser ist enorm. Wussten Sie, dass bei der Produktion einer Jeans ca. 8.000 Liter Wasser verbraucht werden?

In Europa werden jährlich 5,8 Millionen Tonnen Kleidung entsorgt; 75% davon landen auf einer Mülldeponie oder werden verbrannt. Viele der entsorgten Textilien, egal ob neu oder gebraucht, sind zusätzlich mit giftigen Chemikalien verunreinigt. 

Gifte landen auf den Deponien oder sind eine zusätzliche Gefährdung, wenn sie bei der Müllverbrennung freigesetzt werden.

Die weggeworfenen Kleidungsstücke, die oft nur sehr wenig getragen sind, ergeben einen enormen Müllberg. In letzter Zeit bekannt geworden und heftig kritisiert sind auch große Onlinehändler die ihre Retourware, auch wenn sie unbenutzt ist, einfach vernichten.

  • Arbeitsbedingungen

Um billig produzieren zu können, braucht es auch billige Arbeitskräfte. Weltweit arbeiten rund 75 Millionen Menschen in der Textilindustrie, 85 % davon Frauen, die meisten im asiatischen Raum. Sogar für lokale Verhältnisse sind die Löhne in der Textilindustrie extrem niedrig, oft unter der Armutsgrenze. Vom Preis eines T-Shirts gehen nur 0,6% an die Arbeiter/innen.
(Die genannten Zahlen sind überwiegend der Greenpeace Publikation „WER BILLIG KАUFT, KAUFT TEUER - Fast Fashion: Die dunkle Seite des Modekonsums“ entnommen.)

Um auch arbeitsrechtliche Standards wie z.B. Sicherheit, Hygiene oder Arbeitszeiten zu umgehen, wandern die Produktion und damit Arbeitsplätze häufig in Drittstaaten außerhalb der EU.

  • Recycling

Da immer mehr Menschen bewusst wird, dass die Fast Fashion einen erheblichen Anteil an der Klimakatastrophe hat, versuchen große Konzerne ihr Image mit „green washing“ Aktionen zu verbessern. „Alt“-Kleidersammlungen der Firmen versprechen eine Wiederverwendung. Wegen oft minderwertiger Qualität müssen aber immer mehr Textilien endgültig aussortiert werden. Weil die meisten Textiliennicht aus Baumwolle bestehen, taugen sie auch nicht mehr zum Recycling, erklärt Textil-Experte Kai Nebel vom Institut für Textil und Design an der Hochschule in Reutlingen.

Auswege aus dem Modediktat und der Wegwerfkultur

  • Reparieren statt Wegwerfen

Die italienische Designerin Orsola de Castro fordert die Konsumentinnen und Konsumenten dazu auf, alte Kleidung zu reparieren und zu verschönern. Das einzige Gegenmittel zur Wegwerfkultur sei das radikale Behalten. „Wer kaputte Klamotten repariert, repariert ein kaputtes System.“

  • Second Hand

Second Hand Geschäfte waren anfangs besonders bei Kindergewand beliebt; kleine Kinder wachsen oft so schnell, dass die Kleidungsstücke noch gut erhalten sind, wenn die Kinder hinausgewachsen sind Oft gibt es nicht immer Geschwister, die die Kleidung auftragen können. Mittlerweile gibt es auch verschiedene Geschäfte die sich spezialisiert haben z.B. auf Sport- oder Designermoden. Über Plattformen wie „Will haben“ funktioniert der Second Hand Handel, auch wenn kein Geschäft in der Nähe ist.

  • Tauschen 

Tauschbörsen oder Tauschpartys erfreuen sich vor allem bei jungen Menschen großer Beliebtheit: eine win – win – win Situation. Man kommt günstig oder umsonst zu neuem Gewand, trifft nette Leute und trägt noch etwas zum Umweltschutz bei. 

  • Verschenken  

    Kost-nix Läden sind die Drehscheibe, wo gut erhalten, nicht mehr benötigte Kleidung abgegeben werden kann oder auch so manches Teil gefunden werden kann. In fast allen Hauptstätten finden sich solche Umsonst-Läden, die nicht nur Textiles im Sortiment haben.
    Auch auf den Online Plattformen findet sich meist Kategorien wie schenken/umsonst/gratis etc. 

    Entscheiden Sie selbst, welchen Weg Sie gehen wollen. Aber sind Sie sich über die Folgen bewusst!





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