Es grünt so grün…

veröffentlicht am 29.03.2021

Auch Werbeversprechen sind einem steten Wandel unterzogen

Stempel und Stempelabdruck mit grünem Blatt, © VKI Website, Olivier Le Moal Shutterstock
Wahrscheinlich ist es Ihnen auch schon aufgefallen, vielleicht haben Sie sich darüber gewundert?
Plötzlich scheint unsere Warenwelt verwandelt, Unternehmen und Konsumgüter entdecken ihre „grüne“ Seite. Ganze Lebensmittelketten bezeichnen sich als klimaneutral, Fluglinien werben mit dem kleinsten CO2-Fußabdruck, SUV – bisher der Inbegriff für unnötigen Ressourceneinsatz, gibt es jetzt auch als Hybrid oder in Elektro Ausführung, Markenschuhe, die mit Recycling von Plastik werben - die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Greenwashing

Unter Greenwashing („grünwaschen“) versteht man Werbestrategien, die ihren Produkten oder Dienstleistungen ein besonders umweltfreundliches Image verleihen, ohne dafür nähere Belege zu haben.

Erfreulicherweise werden Konsumentinnen und Konsumenten bei ihren Entscheidungen immer kritischer. Die steigende Nachfrage nach Bio-Produkten stand am Beginn, im Zeichen der Klimakatastrophe werden auch andere umweltbezogene Faktoren wichtig. Umwelt- und klimaschonende Produktion sind bei der Beurteilung und Auswahl mitentscheidend.

Das haben natürlich auch die Industrie, Produzenten und Unternehmen erkannt und stellen sich manchmal mit gezielten Marketing-Maßnahmen oft als nachhaltiger und umweltfreundlicher dar als sie tatsächlich sind.

VKI überprüft „grüne“ Werbeversprechen

Dieser Trend wird von vielen sehr kritisch gesehen: wieso geben sich plötzlich so viele Unternehmen in der Öffentlichkeit als umweltfreundlich und verantwortungsbewusst, ohne dass es dafür einen Nachweis gibt?

Um diese Strategie zu hinterfragen, hat der VKI – Verein für Konsumenteninformation eine Kampagne gestartet. 

Verbraucher/innen sind eingeladen, „grüne“ Werbeversprechen mittels eines eigenen Formulars dem VKI zu melden. Hier können genauere Angaben gemacht werden, wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung den Verdacht des Greenwashings erweckt, welches Unternehmen dahinter steckt und was als besonders störend empfunden wurde. Auch Fotos, Screenshots oder andere digitale Dokumente können mitgeschickt werden, um die Überprüfung zu erleichtern.

Die Meldung wird im Rahmen der Aktion „Greenwashing Check“ geprüft und verarbeitet. Die ausgewählten Beispiele werden vertiefend weiterverfolgt und auch die Unternehmen kontaktiert, damit diese Stellung nehmen können. Die Ergebnisse der Recherche und der Kontrolle werden auf der Website veröffentlicht.

So erkennen Sie Greenwashing

Der VKI erläutert, welche Täuschungs-Strategien häufig angewendet werden:

  • Versteckte Kompromisse: Die umweltfreundlichen Aspekte werden beworben, weniger „grüne“ Produkteigenschaften werden verschwiegen.
  • Fehlende Beweise: Ohne Zertifizierungen sagen Etiketten wie „grün“ oder „nachhaltig“ nichts aus.
  • Vage Aussagen: Unklare und oft missverständliche Aussagen wie „nachhaltiger“ sind nicht nachvollziehbar.
  • Irrelevanz: Angaben, die zwar wahr sind, aber keine Aussagekraft haben. Wenn z.B. damit geworben wird, dass eine ohnehin verbotene Substanz nicht enthalten ist (z.B. „FCKW-frei“)?
  • Das kleinere Übel: Vergleiche mit einem anderen, noch weniger umweltfreundlichen Produkt.
  • Lügen: Sachlich falsche Aussagen, die Verbraucher gezielt in die Irre führen.
  • Irrelevante bzw. Fake-Labels: Nicht zertifizierte Phantasie-Gütesiegel.

    Nützen Sie die Aktion des VKI und melden Sie Produkte, wenn Ihnen die umweltfreundlichen Bewerbungen ganz und gar nicht plausibel erscheinen und Sie es genauer wissen wollen!  

Green Washing im Rahmen des Fraud Prevention Month

Auch ICPEN, ein internationales Netzwerk von Rechtsdurchsetzungsstellen- und -behörden zum Austausch über weltweite Durchsetzungsmöglichkeiten von Verbraucherrechten, setzt im Rahmen des „Fraud Prevention Month“ (übersetzt: Monat der Betrugsprävention) einen Schwerpunkt zu „Green Washing“. Weltweit wurden und werden im Rahmen des "Fraud Prevention Month" zahlreiche Information- und Aufklärungskampagnen zu diesem Thema durchgeführt.

ICPEN-Video anlässlich des Fraud Prevention Month


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