Brexit - Voraussichtliche Folgen für Verbraucherinnen und Verbraucher - Teil 1 Reisen

veröffentlicht am 06.11.2020

Bis zum Ende der Übergangsperiode, die am 31. Dezember 2020 endet, sind keine Änderungen zu erwarten. Ab dem 1. Jänner 2021 wird sich aber die Position der Verbraucher/innen gegenüber Großbritannien in einigen Bereichen grundlegend ändern. In unserer 3-teiligen Serie geben wir Ihnen einen Überblick über die wesentlichen Änderungen im Bereich Verbraucherschutz. Teil 1 widmet sich dem Thema Reisen.

EU-Flagge vor der Downing Street Nr. 10, © Call me Fred on Unsplash
Ab dem 1.1.2021 werden Reisende zwischen der EU und Großbritannien nicht mehr das gleiche Schutzniveau wie bisher genießen, da die Reisenden nicht mehr durch die EU-Fahrgastrechte geschützt sind. 

Flugreisen

Die EU-Vorschriften über Fluggastrechte (Verpflegung, Übernachtung bei Verspätung oder Überbuchung) gelten nach dem Ende des Übergangszeitraums nicht mehr für Fluggäste, die von einem britischen Flughafen einen Flug nach Österreich (oder zu einem Flughafen in einem anderen EU-Mitgliedstaat antreten, außer, das ausführende Luftfahrtunternehmen ist ein EU-Luftfahrtunternehmen).

Dies bedeutet, dass die EU- Fluggastrechte weiter für jene Fluggäste gelten, die mit einem EU-Luftfahrtunternehmen von Großbritannien zu einem Flughafen in einem EU-Mitgliedstaat (zB nach Österreich) fliegen. Die EU- Fluggastrechte gelten jedoch nach dem Ende des Übergangszeitraums nicht für Flüge mit gemeinschaftsfremden Luftfahrtunternehmen, die aus Großbritannien in die EU starten.

Mitteilung der Europäischen Kommission zum Brexit im Bereich Verbraucherschutz und Passagierrechte

Test Stiftung Warentest: "Brexit - Das müssen Sie jetzt wissen!"

Schiff-Reisen (Fähren) und Kreuzfahrten

Nach Informationen der britischen Regierung bleiben die EU-Rechte von Fährpassagieren auch nach dem Brexit bestehen. Die Regelungen werden in britisches Recht überführt. Auch Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen, die in einem britischen Hafen an Bord gehen, seien laut der britischen Regierung ebenfalls weiterhin durch die EU-Regeln geschützt, die ins britische Recht übernommen werden.

Bahnreisen

Gemäß der britischen Regierung bleiben die bisherigen Bahngastrechte (Entschädigungen bei Verspätungen oder Zugausfällen) auch nach dem Brexit erhalten. Und zwar sowohl für Fahrten innerhalb von Großbritannien als auch für grenzüberschreitende Bahnfahrten. Wer also z.B. den Hochgeschwindigkeitszug Eurostar nutzt oder durch den Eurotunnel anreist, kann weiterhin seine Ansprüche geltend machen und das bestehende Beschwerdeverfahren nutzen.

Bus-Reisen

Die Busgastrechte gelten nach dem Brexit auch weiterhin. Und zwar für Fahrgäste, die mit dem Fernbus (sogenannten Linienverkehrsdiensten, die über feste Haltestellen und Fahrpläne verfügen) nach Großbritannien einreisen oder die von dort aus in die EU reisen. Voraussetzung dafür ist, dass der Abfahrts- oder Ankunftsort in der EU liegt und die Fahrstrecke 250 km oder mehr beträgt. Gemäß der englischen Regierung sollen die Busgastrechte nach dem Brexit in britisches Recht umgesetzt werden.

Länderinfo ÖAMTC: Großbritannien: Was bedeutet der Brexit für Reisende?

Insolvenzabsicherung bei Pauschalreisen

Ob Reisende, die bei einem Reisebüro in Großbritannien einen Vertrag abgeschlossen haben, nach dem Austrittsdatum weiterhin von den europäischen Vorschriften geschützt sind, hängt davon ab, ob der in Großbritannien niedergelassene Reiseveranstalter die Reise in Österreich angeboten hat.

Falls ja, ist der Reiseveranstalter wie jeder andere in einem Drittland niedergelassene Reiseveranstalter verpflichtet, Insolvenzschutz zu bieten.

Bietet ein Reiseveranstalter mit Sitz in Großbritannien keine Pauschalreisen in die EU an und richtet er seine Verkaufstätigkeit nicht auf die EU aus (dh er bewirbt seine Reisen nicht in der EU), gilt der EU-Insolvenzschutz nicht für Insolvenzen von britischen Reiseveranstaltern, wenn sie erst nach dem 31.12.2020 eintreten. Hier gilt britisches Recht, es könnte eine zusätzliche Versicherung erforderlich sein.

Informationen des EVZ zu Brexit

Factsheet der Europäischen Kommission "Verbraucherrechte im Falle eines Austritts ohne Abkommen"

Alle Informationen im Überblick

Eine komplette Übersicht bietet die Website der Europäischen Kommission:

Startklar für das Ende des Übergangszeitraums

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