2. Österreichischer Obsoleszenz-Dialog

veröffentlicht am 01.12.2020

Wir möchten Ihnen heute einen Gastkommentar von Dr. Barbara Schmon, Expertin für Nachhaltigen Konsum im Klimaschutzministerium, präsentieren. Sie hat zu einem sehr aktuellen Thema eine Veranstaltung organisiert und berichtet uns die Highlights.

kreuz und quer gespannte bunte Fäden, © istock
Das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt am 19. November 2020 den „Zweiten Österreichischen Obsoleszenz-Dialog“. Dabei diskutierten AkteurInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft Möglichkeiten, die Nutzungs- und Lebensdauer von Textilien (insbesondere von Kleidung) zu verlängern.

Hoher Ressourcen- und Energieverbrauch

Die Schnelllebigkeit in der Mode hat in den letzten Jahren stark zugenommen, Modeketten bringen bis zu 24 Kollektion pro Jahr heraus. Die Folge sind ein enormer Ressourcen- und Energieverbrauch. Schnellwechselnde Angebote und Werbung führen zu einer Überkonsumation und geringen Nutzungs- und Lebensdauer von Textilien.

Recycling, upcycling, second-Hand noch im Nischenbereich

Allein für die Herstellung von einem Kleid sind oft bis zu 20 Veredelungsschritte notwendig. Auch die Zusammensetzung der Materialien hat in ihrer Vielschichtigkeit zugenommen, was erschwerende Auswirkungen auf die Weiterverarbeitung von Textilen hat. Die Veranstaltung diente dazu, ein gemeinsames Verständnis für die Herausforderungen im Textilbereich zu erreichen, sowie best- practice-Modelle zu längeren Lebens- und Nutzungsdauer und Weiterverwertung von Textilen zu diskutieren.

Digitalisierung als Chance für die Weiternutzung von Kleidung

Um Textilien länger im Kreislauf zu behalten, ist die Nutzung von online Plattformen für gebrauchte Produkte sehr wirksam. Durch gezielte Marketing-Kampagnen kann das Image von gebrauchter Kleidung deutlich aufgewertet werden. Nicht nur durch den online second-Hand Kleidungshandel, sondern auch durch Spenden gebrauchter Kleidung wird ein sozialwirtschaftlicher sowie ökologischer Nutzen erzeugt. Die Plattform sachspenden.at vereint erstmalig mehrere Sammelstellen für gebrauchte Kleidung unter einem Dach, eine online Landkarte gibt darüber hinaus Hilfestellung für das schnelle Auffinden von Abgabestellen.

Themen und ReferentInnen

Wie alternative Geschäftsmodelle funktionieren könnten, welche Hindernisse es auf dem Wege dorthin zu überwinden gilt, welche Bedeutung nachwachsenden Rohstoffen dabei zukommt, was die EU dazu beitragen kann und welche Rolle das Einkaufsverhalten und Nutzungsverhalten der KonsumentInnen spielt, diskutierten Wolfgang Pfoser-Almer/Geschäftsführer des Vereins Wearfair, Nina Tröger/Arbeiterkammer Wien, Reinhard Franz von willhaben.at,  Caroline Ledl von der Lenzing AG,  Karl Mayr/Geschäftsführer der Fussl Modestraße, Herbert Benzinger/Geschäftsführer von ZERUM, Claudia Wehner/BMK, Henriette Gupfinger von der FH Wr. Neustadt, sowie Katharina Klinger von OIKOS Wien.

Aufbauend auf den Ergebnissen des ersten Österreichischen Obsoleszenz-Dialogs 2018 und dem Workshop „Konsummodelle im Wandel“ vom Vorjahr, wurden von den TeilnehmerInnen Ideen zur nachhaltigen Transformation der Textilbranche bewertet. Abgestimmt wurde, welche dieser Maßnahmen noch stärker in der politischen Umsetzung forciert oder noch vertiefend diskutiert werden sollten. 

Eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Beiträge, sowie die Präsentationen der Vortragenden finden Sie unter folgendem link:  https://www.bewusstkaufen.at/nachlese-2-osterreichischer-obsoleszenz-dialog/

Dr. Barbara Schmon, 
Expertin für Nachhaltigen Konsum, Initiatorin der Konsumplattform www.bewusstkaufen.at sowie des „Obsololeszenz-Dialogs“ im BMK.

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