Preisvergleich bei Verbraucherkrediten immer noch schwierig (12.06.2018)

Studie von ConPolicy

© ConPolicy

Eigentlich dachte man ja, dass mit der Umsetzung der Verbraucherkredit-Richtlinie in das nationale Recht  im Jahr 2010 , Preisvergleiche bei Krediten einfacher würden. Immerhin schreibt die Richtlinie ganz konkret vor, welche Informationen in der Werbung oder vor Vertragsabschluss zu geben sind.

Aber dann ... ist da immer noch die Kreativität der Kreditinstitute, die ihre Produkte verkaufen wollen und dabei eben doch nicht immer mit offenen Karten spielen.

Aus diesem Grund - weil die weißen Schafe bekanntlich immer unter den schwarzen Schafen leiden - gab ein in Österreich tätiges Kreditinstitut eine Studie in Auftrag, die in den Ländern Deutschland, Belgien, Großbritannien und Österreich durchgeführt wurde.


Was laut Gesetz sein sollte

Werden in einer Werbung für Kreditverträge Zinssätze oder sonstige, auf die Kosten eines Kredits für den Verbraucher bezogene Zahlen genannt, so muss die Werbung

  • klar,
  • prägnant und
  • auffallend
  • anhand eines repräsentativen Beispiels folgende Standardinformationen enthalten:
  1. den festen oder variablen Sollzinssatz, gegebenenfalls zusammen mit Einzelheiten aller für den Verbraucher anfallenden, in die Gesamtkosten des Kredits einbezogenen Kosten, im Fall einer Kombination von festem und variablem Sollzinssatz die Geltungsdauer des festen Sollzinssatzes,

  2. den Gesamtkreditbetrag,

  3. den effektiven Jahreszins,

  4. gegebenenfalls die Laufzeit des Kreditvertrags und

  5. gegebenenfalls den vom Verbraucher zu zahlenden Gesamtbetrag sowie den Betrag der Teilzahlungen.

Dabei ist insbesondere der effektive Jahreszins von Bedeutung, denn in ihm sollten alle Kosten enthalten sein.

Und da die Kosten eines Kredits, also der Nominal- oder Sollzinssatz, von der Bonität der KreditwerberInnen abhängig sind, ist es natürlich auch wichtig, wie man eine "repräsentative Bonität" einschätzt. Denn unter diesen Vorgaben ist das repräsentative Beispiel zu erstellen.


... und was die Studie herausgefunden hat

Wiewohl die Richtlinie in allen 4 Ländern grundsätzlich korrekt umgesetzt wurde, ortet die Studie generell Rechtsdurchsetzungsdefizite.

Schwer zu überprüfen, weil eben auch oft von der Bonität und dem Verhandlungsgeschick abhängig, wurde der Wert des Effektivzinssatzes seitens der Studienautoren angezweifelt. Nebenkosten, wie z.B. Versicherungsprämien für verpflichtende Versicherungen, würden nach wie vor nicht immer eingerechnet. Dazu ist aber auszuführen, dass bei einer Falschberechnung des Effektivzinssatzes den Verbraucherinnen keine Nachteile drohen: vielmehr muss bei einem zu niedrig angegebenen Wert des Effektivzinssatzes, der Wert des Nominal- oder Sollzinssatzes so weit gesenkt werden, dass der Effektivzinssatz stimmt.

Oftmals war der effektive Jahreszins zwar vorhanden, aber hinsichtlich Auffälligkeit gleichgestellt mit anderen Angaben, so dass die Bedeutung dieses Wertes nicht erkennbar war. Andererseits schreibt das Gesetz keine besondere Auffälligkeit vor.

Ein besonderes Ärgernis wären aber die unrealistischen, nur vermeintlich "repräsentativen Beispiele, die von einer besseren Bonität ausgingen als durchschnittliche KreditwerberInnen aufweisen könnten.

Und letztendlich sollte auch die optische Qualität der Angebote verbessert werden, weil oft die Soll- und nicht die Effektivzinssätze in den Vordergrund gerückt werden.


Anregungen zur Abhilfe

Einerseits sollte man auf EU-Ebene schauen, ob man nicht einige Angaben klarer und strenger fassen könnte.

Für Österreich sieht die Studie vor, besser auf die Rechtsdurchsetzung zu setzen und hier die FMA vermehrt ins Spiel zu bringen. Im Unterschied von Verbraucherorganisationen kann sie sich alle Angebote vorlegen lassen und auch überprüfen, ob die in der Werbung angegebenen Beispiele tatsächlich repräsentativ sind. Die Studienautoren verweisen diesbezüglich auch auf die dt. bzw. die britische Regelung, wonach die Voraussetzung für die Repräsentativität im Gesetz festgelegt ist: in Deutschland muss es zwei Drittel der KundInnen und in Großbritannien mindestens 51% der Kundinnen tatsächlich möglich sein, den konkreten Kredit zu den angebotenen Konditionen abzuschließen.


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