KonsumentInnen-Barometer 2015 (05.06.2015)

ÖsterreicherInnen zeigen sich weniger beschwerdefreudig!

KonsumentInnen-Barometer 2015

Für eine effiziente und wirksame Verbraucherpolitik braucht es die Kenntnis der Probleme der Konsumentinnen und Konsumenten in der Praxis. Nur mit dem Wissen, ob sich Verbraucherinnen am Markt zurechtfinden, ihre Rechte kennen und in der Lage sind, diese auch durchzusetzen, lässt sich ein konsumentenpolitischer Handlungsbedarf erkennen und entsprechende Veränderungen in die Wege leiten.

Mit dem KonsumentInnen-Barometer, das alle 2 Jahre erhoben wird, werden rund 2000 Konsumentinnen und Konsumenten zu ihrem Beschwerdeverhalten und ihrem Wissen zu diversen Konsumententhemen befragt. Ziel des KonsumentInnen-Barometers ist es nicht nur einen Status-Quo zu erheben, sondern den Entscheidungsträgern einen vergleichenden Überblick über die Entwicklung der Situation der Konsumentinnen und Konsumenten über mehrere Jahre zu ermöglichen.

Die konkreten Ergebnisse zusammengefasst:


Es wird weniger reklamiert

Während bei der Befragung mehr Personen als im Jahr 2013 angaben, Anlass zur Beschwerde bei Kauf und Nutzung von Produkten oder Dienstleistungen gehabt zu haben (Zuwachs von 5%), haben aber von diesen nur 72% tatsächlich Beschwerde erhoben, was einen Rückgang von 5% darstellt.

Personen mit höherer Schulbildung (ab Matura) sind „beschwerdefreudiger", was auf eine kritischere Haltung gegenüber Qualitätsmängeln - insbesondere bei Dienstleistungen - zurückzuführen ist.


Beschwerdehandling wird als mühsamer empfunden

Angestiegen ist die Zahl derjenigen, die Mühe haben, für ihre Beschwerde eine konkrete Ansprechperson zu identifizieren und zu erreichen.

Besonders große Schwierigkeiten haben Jüngere, Personen mit niedrigen formalen Bildungsabschlüssen und Personen mit Migrationshintergrund. Das sind auch jene Gruppen, die am häufigsten angeben, sich nicht zu beschweren, weil es ohnehin sinnlos ist.

Für Personen mit einem höheren Bildungsabschluss erledigen sich Beschwerden problemloser und führen im Vergleich öfter zum Erfolg.


Produktinformationen bei Lebensmitteln sollten vereinfacht werden

Deutlich mehr Personen als vergleichsweise im Jahr 2013 sind der Ansicht, dass verpackte Lebensmittel ausreichend Produktinformation aufweisen.

Bemängelt, vor allem von den älteren Bevölkerungsgruppen, wird aber weiterhin die Darstellung (Schriftgröße und Lesbarkeit).

Mit der Menge an verfügbarer Information besteht aber ein zu beobachtender kontinuierlicher Bedarf an einer Vereinfachung dieser Information, z.B. im Sinne eines Ampelsystems bei den Nährwerten.


Hinweise bei der Speisenbestellung in den Gasthäusern

Interessant ist nun nach Inkrafttreten der Allergeninformationsverordnung, dass ein deutlicher Rückgang der Wichtigkeit von Informationen bei der Speisenbestellung in Gasthäusern zu beobachten ist.

Nur mehr die Information, ob es sich um tiefgekühlte Ware handelt, wird von mehr als der Hälfte der Befragten als wichtig angesehen.

Zusatzstoffe und Allergene sind offenbar ausreichend ausgewiesen; die Informationen dazu werden aber immer noch von ca. 40% für wichtig erachtet.


Wissensfragen

Wie ein roter Faden zieht sich das Verbesserungspotential im Hinblick auf das tatsächliche Wissen der VerbraucherInnen um ihre Rechte, das sich in den letzten Jahren nicht signifikant verändert hat.

Wenn es um die Frage nach Ansprüchen aus dem Gewährleistungsrecht geht, kennen lediglich 28% ihre Rechte, was eine Verschlechterung zu 2013 darstellt. Zu sehen ist, dass sich der Prozentsatz erhöht, je höher der Bildungsabschluss ist.

Wie im letzten Konsumentenbarometer ist die Anzahl der Personen, die über die Bedeutung des Grundpreises Bescheid wissen, mit 60% nahezu gleichbleibend.

Was der effektive Jahreszins über einen Kredit aussagt, konnten - ebenfalls gleichbleibend zu 2013 - nur 46% der ÖsterreicherInnen richtig beantworten. Auch hier sind die Unterschiede nach Bildungsabschluss signifikant.


Die gesamte Umfrage im Detail mit allen Daten und Fakten hier als Download!


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